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Zeitintervall der Grünphase der Fußgängerampel am Bahnhof

Meldungsnummer 21/2017
Erstellt am 21.04.2017 um 18:43 Uhr
Kategorie 05 Baustellen/Ampeln
Standort August-Ruf-Straße / Bahnhofstraße
78224
Status Erledigt
Kommentare 3 Kommentare
Erledigt am 26.04.2017
Dauer 4 Tage
BESCHREIBUNG
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Regelmäßig beobachte ich, dass ältere oder gehbehinderte Menschen es nicht schaffen, in der Grünphase der Ampel beim Bahnhof über die Straße zu gehen. Die Rotphasen der Ampel sind häufig auch sehr lang. Es stehen Dutzende Menschen und warten auf Überquerung und kein Auto ist zu sehen. Die Menschen stehen, die Autos haben Vorfahrt. Das ist nicht gut. Die Grünphasen müssen schneller geschaltet und die Grünphasen insgesamt länger grün sein. Ich bin sicher, dass erhöht die Sicherheit deutlich, weil sehr viele Menschen dort bei rot über die Ampel gehen.
KOMMENTARE
Singen
am Hohentwiel
Kommentar erstellt am: 26.04.2017 um 15:38 Uhr
Titel: AW: Zeitintervall der Grünphase der Fußgängerampel am Bahnhof
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Hallo Herr Schmeding,

vielen Dank für Ihr Anliegen. Wir möchten natürlich allen "Verkehrsteilnehmern" gerecht werden. Dies ist natürlich nicht immer einfach; mir persönlich ergeht es manchmal genau so wie Ihnen.
Unser Ingenieur der für Ampeln zuständig ist hat mir die Technik und die entsprechenden Berechnungen mit Räumzeit erläutert. Als Anlage möchte ich Ihnen noch einen interessanten Artikel zukommen lassen. Bitte lesen Sie diesen; er ist sehr interessant.

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Grünphasen mit Räumzeiten

Fußgänger haben oft das Gefühl, an Ampeln zu lange warten zu müssen. Oder sie müssen an Druckampeln um Grün erst bitten – bekommen­ es aber trotzdem nicht schneller.
Foto: Nils TheurerNicht fair: An vielen Ampelkreuzungen müssen Fußgänger und Radfahrer erst um Grün betteln und warten dann relativ lange darauf.

Wolfgang Hertkorn sagt immer: „Kinder, nicht laufen!“ Der Ampelspezialist im Tiefbauamt der Stadt Stuttgart, kennt sich bestens aus mit Lichtsignalanlagen. So heißen Ampeln in der Fachwelt. Wer ihre Schaltungen verstehen möchte, kann sich ohnehin ein Vokabelheft anlegen, Wolfgang Hertkorn bemüht sich aber stets um plastische Erläuterungen. „Wenn die Fußgängerampel auf Rot schaltet, ist immer genug Zeit, die Straße in normalem Tem­po fertig zu überqueren!“

Normal heißt für Lichtsignalanlagentechniker: mit 1,2 Metern pro Sekunde (m/s). Die Spanne, die Fußgänger bis zum rettenden anderen Ufer der Furt benötigen, heißt „Räumzeit“. Ist in der Nähe des Übergangs zum Beispiel ein Altenheim, setzen die Planer das virtuelle Fußgängertempo auch mal auf 1 m/s herunter. Damit die zu überquerende Fahrbahn ­– zumindest rechnerisch – wieder frei ist, können die Autos mit 10 m/s wesentlich länger Grün erhalten. Radfahrer, die gemeinsam mit Fußgängern an der Ampel stehen, werden dadurch sehr früh ausgebremst. Eine eigene Fahrradampel nimmt eine Fahrrad-Räumgeschwindigkeit von 4 m/sec an. Das ist pedalfreundlich und wird von Radfahrern auch eher akzeptiert.

Alle diese Werte finden sich in den sogenannten Richtlinien für Lichtsignalanlagen (RiLSA), entworfen von der in Köln ansässigen Forschungsstelle Straßen- und Verkehrswesen. „Das ist so eine Art DIN. Da muss eine Gemeinde schon ganz besondere Gründe vorgeben, wenn sie sich daran nicht hält“, sagt Wolfgang Hertkorn, der Stuttgarter Abteilungsleiter für Verkehr. Und das hat viele Auswirkungen auf Fußgänger: Ist eine Ampel nicht in weitere Schaltungen eingebunden, kommt nach dem Drücken im Optimalfall nach einer Sekunde Verarbeitungszeit für die Autos Gelb, drei Sekunden später Rot. Dann wird aber noch die Kraftfahrzeug-Räumzeit dazugerechnet, bei angenommenen sechs Metern Fahrzeuglänge und 10 m/s ist das grob eine weitere Sekunde. Nach insgesamt fünf Sekunden leuchtet also bestenfalls die Fußgängerampel Grün.
Grüne Welle für Autos

Dieser Fall wird im Alltag allerdings oft durch besondere Schaltungen unterdrückt. Autos können zur Beschleunigung zum Beispiel des Feierabendverkehrs „Grüne Welle“ erhalten oder durch Überfahren von Induktionsschleifen den Grün-Wunsch der Fußgänger blockieren. Auch Linienbusse oder Stadtbahnen können per Funk Vorfahrt erhalten und Fußgänger zum Warten zwingen.

Prinzipiell sollen alle Verkehrsteilnehmer an einer Kreuzung während eines „Umlaufes“ Grün bekommen. Ein ganzer Umlauf dauert oft 100, in Hauptverkehrszeiten auch einmal 120 Sekunden. Ampelexperte Hertkorn erläutert gleich das innewohnende Problem: „Weil für Fußgänger alles über zwei Minuten zu lange zum Warten ist, machen wir einen Doppelanwurf – das heißt, Autos kommen dann einmal dran, Fußgänger zweimal.“ Das andere Extrem, die Umlaufzeit zu verkürzen und die Grünphasen überall zu kappen, würde ­bewirken, dass vor lauter Reaktions-, Räumzeiten und Gelbphasen unverhältnismäßig wenig Grünphase bliebe – die Kapazität der Kreuzung würde dadurch merklich sinken. Fußgänger sollen – laut RiLSA – auch wenigstens bis zur Fahrbahnmitte laufen können, bevor sie wieder Rot haben. „Man kann es nicht allen recht machen, oft gibt es politisch gewollte Vorgaben, die sich gegenseitig technisch ausschließen“, sagt Ingenieur Hertkorn. Er versteht alle Seiten und kann doch nicht alle zufriedenstellen.

Immerhin, Grüne Wellen gibt es an großen Kreuzungen auch für Fußgänger, da kennt Hertkorn kein Erbarmen für wartende Autos: „Wenn man drei Umläufe für die Überquerung einer Kreuzung braucht, provozieren wir Rotläufer, das wissen wir genau.“ Genauso können die Techniker auch Verstöße von Autofahrern an Fußgängerampeln provozieren. Kommt nach einer Rotphase für Autos nur kurz Grün und dann gleich wieder Rot, mehren sich bei Rot überfahrene Ampeln und für die Fußgänger wirds gefährlich. Das Mindestgrün für Autos dauert deshalb wenigstens zehn bis 15 Sekunden, da können Fußgänger die Ampeldrücker bearbeiten, wie sie möchten. Praktiker Hertkorn erzählt: „Vielleicht gebe ich einem Autofahrer 20, 30 oder auch 50 Sekunden Mindestgrün, viel länger kann ich einen Fußgänger aber nicht warten lassen, sonst sucht er die Lücke und läuft los.“

Nachteilig für Fußgänger ist außerdem, dass sie keine Induktionsschleifen auslösen können und ihre Richtung an Kreuzungen nicht vorwählen können. Als Verkehrsteilnehmer mit der wenigsten Geduld und der längsten Räumzeit sind und bleiben sie die Schlusslichter jeder Signalanlagenschaltung. Zuletzt können Fußgänger etwas, was kein anderer Verkehrsteilnehmer fertigbringt: Die Planer nennen es „nutzloses Grün anfordern“, also drücken und unter Moralverlust bereits gequert haben, wenn ihre Ampel auf Grün springt und die Autos zum Stehen gekommen sind.

Alles zusammengenommen haben Fußgänger sehr oft das ungute Gefühl, dauernd an Ampeln warten zu müssen. Ampeln, die vorrangig für Fußgänger freie Bahn zeigen und erst auf Rot schalten, wenn Autos das mit einer Induktionsschleife auslösen, gibt es offenbar gar nicht. Da es mit der RiLSA ja eine Ampel-Bibel gibt, wandten wir uns an ihre Schöpfer. Jörg Ortlepp, der bei der Kölner Forschungsstelle Straßen- und Verkehrswesen den Ausschuss für Fußgänger und Radfahrer leitet, musste das bestätigen. „So ein Dauergrün für Fußgänger ist in der RiLSA tatsächlich nicht vorgesehen. Grundsätzlich würde ich eine solche Schaltung aber auch nicht ausschließen“, erklärt er. Vielleicht müsste eine ­Ge­meinde sich einfach einmal trauen.

Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team vom Straßenbau!
 
Martin Schmeding
VerfasserIn der Meldung
Kommentar erstellt am: 27.04.2017 um 22:11 Uhr
Titel: AW: Zeitintervall der Grünphase der Fußgängerampel am Bahnhof
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Ihre Antwort stellt mich nicht zufrieden. Es besteht Handlungsbedarf. Sie können sich ja mal am Bahnhof hinstellen und die Zeit stoppen. Heute habe ich es selbst erlebt, dass ich es nicht geschafft habe, in der Grünphase über die Bahnhofstraße drüber zu gehen. Der Autoverkehr hat eine nicht akzeptable Priorität an der Ampel. Die Ampelschaltungen lassen sich verändern. Es wäre absurd, wenn diese nicht verändet werden können. Eine Änderung dieses Misstandes ist möglich, es fehlt dazu offensichtlich der Wille. Hier wird mir wohl dann der Gemeinderat weiterhelfen müssen.
 
Singen
am Hohentwiel
Kommentar erstellt am: 02.05.2017 um 16:39 Uhr
Titel: AW: AW: Zeitintervall der Grünphase der Fußgängerampel am Bahnhof
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Sehr geehrter Herr Schmeding,

nochmals vielen Dank für Ihre Info. Selbstverständlich haben Sie recht wenn Sie sagen die Grünphase ist hier sehr knapp. Unseres Erachtens ist diese aber noch ausreichend auch wenn man während dem Überqueren "Rot" bekommt. Die sogenannte "Räumzeit" ist so bemessen dass hier noch genügend Zeit bleibt die Straße zu überqueren.
Wir haben in der Bahnhofstraße auch bedingt durch die Baumaßnahme Julius-Bührer-Straße den gesamten Ost-Westverkehr. Hinzu kommen noch die Stadtbusse und die Busse der SBG.
Sämtliche Verkehrsströme wurden durch einen Verkehrsingenieur untersucht. Die Ampelschaltung wurde dann aus unserer Sicht für alle Verkehrsteilnehmer optimal programmiert.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Team vom Straßenbau!
 
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